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Der Ubuntu Software Store – Zukunftsmusik?

Erstellt von Matthias am Mittwoch 2. September 2009

Ubuntu Software Store

Ubuntu Software Store

Vor allem von Apple kennen wir die modernen App Stores. Apple hat damit eine wahre Meisterleistung hin bekommen und mittlerweile viel Einfluss auf die Musikindustrie durch iTunes, aber auch viel Einfluss auf die Programme und deren Entwickler für das Mac OSX System. So viel Einfluss zieht natürlich auch einiges an Kritik und Ärger hinter sich her, wie wir immer wieder bei den Apps und Apples Freigabepolitik mitbekommen. Nach den Erfolgen Apples sind auch einige andere große Hersteller dem Hype hinterher gegangen und bieten wie z.b.: Nokia eigene App Stores an.

Diesen Schritt plant auch Canonical für Ubuntu zu gehen. Unter anderem bei Phoronix und dem Ubuntu Wiki habe ich dazu ein paar Infos gefunden.

Durch diesen geplanten App Store will Canonical dafür sorgen, dass die User viel mehr Apps zu Verfügung haben und vor allem, das mehr Programme von Programmierern aus der Community kommen und verbreitet werden.

Eine Skizze zum Software Store

Eine Skizze zum Software Store

Die Entwicklung des Software Stores, wie ihn Canonical nennt, hat erst begonnen und ist somit noch nicht sehr weit fortgeschritten. Momentan befindet man sich eher noch in einer Planungs- bzw. Ideensammlungsphase.  Was aber schon jetzt heraus sticht ist, dass man vor allem die verschiedenen momentan existierenden Werkzeuge zusammenführen will und unter einem Programm komplett alles haben will. Das heißt also, dass die Hinzufügen/Entfernen-Funktion, die Synaptic-Paketverwaltung, Gdebi, der Rechner-Hausmeister und einige andere Paketverwaltungssysteme in Zukunft unter dem Dach des Software Stores existieren werden. Sie sollen komplett in diesen integriert werden und nicht mehr eigenständig laufen. Dieser Schritt ist denke ich mal auch nur logisch, wenn man Ubuntu weiter einer noch größeren Nutzerbasis anbieten will und vor allem Einsteiger werden es so einfacher haben, da sie sich nur noch mit einem Programm auseinander setzen müssen und nicht mehr mit vielen verschiedenen. Also der ganze Prozess rund um die Verwaltung und Installation von Programmen wird einfacher und übersichtlicher werden.

Auch wenn man sich am Anfang der Entwicklung dieses Tools befindet, will man schon in Karmic (9.10) im Oktober einige grundlegenden Funktionen integrieren. In der aktuellen Alpha 4 Version ist noch nichts von Haus aus integriert. Dabei geht es vor allem erst mal um das Interface und die Installation der Pakete. Wahrscheinlich wird dann schon das Hinzufügen/Entfernen-Menü durch den Software Store ersetzt werden.  Außerdem will man Anfangen diesen in Launchpad zu verlinken und so eine bessere (Bug-)Verwaltung der einzelnen Programme hin bekommen. Im nächsten Schritt mit Ubuntu 10.04, welches wieder eine LTS Version werden wird, will man dann Synaptic, Gdebi und falls es zeitlich klappt die Aktualisierungsverwaltung ersetzen bzw. integrieren sowie die Verlinkung der Programme in Launchpad weitestgehend abgeschlossen haben. Außerdem soll dann auch schon eine Bewertungs- und Kommentarmöglichkeit integriert sein, damit die User untereinander die Programme besser empfehlen können. Dieser Teil wird dann aber erstmal nur in Launchpad zur Verfügung stehen und erst mit Version 10.10 im Betriebssystem integriert sein. Zu diesem Zeitpunkt wird dann auch eine Funktion vorhanden sein, die die Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit von Programmen angibt, damit die Nutzer sich sicherer im Umgang mit den Programmen sein können und man schwarze Schafe schneller entdeckt.

Außerdem wird es dann auch die, meiner Meinung nach, größte Änderung geben. Canonical macht aus dem System nun einen wirklichen Store, man will Programme kostenpflichtig anbieten. Dabei wird dann aber auch wieder der Augenmerk darauf liegen, dass Programmierer aus der Community Geld für ihre Arbeit bekommen und so möglichst viele neue, gute und qualitative Programme entstehen. Vor allem an diesem Punkt muss man dann sehen, wie gut sich Software in einer Open Source Umgebung wirklich verkaufen lässt. Ich weiß, dazu gibt es Erfahrungswerte und viele verschiedene Meinungen, dennoch denke ich, dass es gerade im Bezug auf Ubuntu spannend wird, wie der Store angenommen wird. Und ob dadurch andere bisher freie Programme leiden werden oder nicht. Ich hoffe das dadurch eine Situation entsteht die teilweise mit dem jetzigen Apple App Store vergleichbar ist. Das man zum einen viele kostenlose, gute Programme hat aber auch wirklich komplexe, gut entwickelte kostenpflichtige Programme vorhanden sind. Dies wird aber vor allem von fairen Preisen und der Produktpolitik von Canonical und den Programmieren abhängen. Wenn man da aus den Fehlern von anderen (Apple) lernt und es wirklich fair und sinnvoll macht, kann daraus sicher eine große und gute Plattform werden. Wenn das nicht funktioniert, dann kann sich ja jeder selber denken wohin das führen wird. Ich hoffe natürlich auf ersteres.

Graph zur Bereitstellung von Software

Graph zur Bereitstellung von Software

Die Planung geht momentan bis April 2011 mit Ubuntu 11.04, in dieses sollen weitere Community Features eingebracht werden. So soll man sehen können welche Programme von Freunden installiert sind und verschiedene „sharing and tracking“  genannte Features. Zum Beispiel  soll man ein Programm einmal herunterladen und auf vielen PCs installieren können ohne es erneut herunterzuladen, aber auch viele Optionen zum Software Sortieren und Suchen wie z.B.  nach Lizenzarten, Preisen oder ähnlichem. Außerdem will man auch Wallpaper, Themes und Screensaver über den Store anbieten.

All dies ist sicher sinnvoll damit man vor allem möglichst alle Programme an einem Ort suchen kann und nicht auf zwanzig verschiedenen Websites sich alles zusammen sucht. Ich finde die Entwicklungen rund um dieses neue System sehr spannend und interessant. Im Grunde ist das alles was hier beschrieben wurde gar nicht so arg viel Zukunftsmusik, denn erste Teile sehen wir dann ja schon in knapp 2 Monaten bei Karmic.

Jetzt kommt zum Abschluss noch eine Galerie mit Bildern vom aktuellen Stand des Software Stores. Diese Bilder habe ich extra nochmal angefertigt, da es momentan noch sehr schwer ist gute Bilder vom Software Store im Web zu finden, außer in ein paar einzelnen englischsprachigen Blogs, bei denen die Lizenzen leider nicht gekennzeichnet waren, habe ich selbst keine gefunden. Daher sind hier einige Bilder, die alle, wie auch der Rest der Inhalte in diesem Blog, unter der cc-by-sa Lizenz veröffentlicht sind. Ihr könnt und sollt diese gerne bei euch verwenden, gebt aber bitte diesen Blog als Link an. In der Hoffnung das sich so mal ein paar Fakten und Bilder zum Software Store verbreiten.

27 Kommentare zu “Der Ubuntu Software Store – Zukunftsmusik?”


  1. libertador sagt:

    Ob da sich Ubuntu nicht ein Grab schaufelt. Laso ich mache mir langsam Gedanken. Bin für klare Abtrennung der kommerziellen Teile.


  2. wedwd sagt:

    >Bin für klare Abtrennung der kommerziellen Teile.
    So sehe ich das auch.


  3. Sammy sagt:

    Ob das Anbieten von kostenpflichtigen Programmen wirklich Sinn macht ist natürlich die Frage. Ich denke, damit wird Canonical keinen Erfolg haben.

    Trotzdem finde ich so eine „Zentralisierung“ gut. Man muss nicht mehr überall herumsuchen um das passende zu finden. Auch die Einbindung von Kommentaren/Bewertungen finde ich gut. Noch besser ist, dass Launchpad direkt mit dabei ist praktisch.

    Ob es mir etwas bringt die Programme meiner Freunde anzeigen zu lassen weiß ich nicht, bei mir nutzt eigentlich niemand Ubuntu und sowas interessiert mich eigentlich auch nicht 😀 (Kann ja aber sein, dass es für andere sinnvoll ist, wer weiß …)

    Ich hoffe nur, dass der ganze Store dann auch wirklich gut zu bedienen ist. Denn wird die Bedienung scheiße, …. (Wollen wir garnicht drüber reden)


  4. UbuntuFlo sagt:

    Kleiner Hinweis: Es ist bisher noch nicht entschieden, ob 10.04 oder 10.10 eine LTS wird.


  5. matthias sagt:

    @libertador: Ich denke auch dass man hier klar trennen muss, nur inwieweit dies geschehen wird ist wohl momentan eher noch unklar. Aber wenn man es gut umsetzt, denke ich schon, dass was draus werden kann
    @UbuntuFlo: Danke für deinen Hinweis, ich habe mich in dem Punkt auf die englischhprachige Quelle verlassen, in der eben 10.04 als LTS gesetzt wurde.
    Mehr zum Thema 10.04 oder 10.10 als LTS könnt ihr noch hier auf Ikhaya finden.


  6. Storch sagt:

    Eine Zusammenfassung der Paketverwaltungstools ist super, meinetwegen auch mit einem Bereich für kommerzielle Produkte. Aber die weiteren Planungen sehe ich kritisch: Software die andere installiert haben anschauen ist ja ganz nett. Aber dazu muss ne Buddyliste verwaltet werden, und es muss die Möglichkeit geben, ein Tool zu installieren, ohne das die Community es sieht usw. Das endet dann in einer unübersichtlichen eierlegenden Wollmilchsau…


  7. Pat sagt:

    Meine Meinung:
    Finde ich eine tolle Idee. Aber mir persönlich gefehlt ja sowieso nicht, dass bei Open Source alles scheinbar oder anscheinend gratis sein muss. Auch Programmierer müssen essen, nicht?
    Ubuntu ist – für mich – deswegen toll, weil es auf moralischen Grundsätzen beharrt und nicht in erster Linie den Benutzern das GEld aus der Tasche ziehen will und man sich dabei nicht wie in einen Käfig fühlt.


  8. Pat sagt:

    Ups, da haben sich in der Eile ein paar Tippfehler eingeschlichen. Ich bitte um Verzeihung.


  9. Freund Hansen sagt:

    Also wenn sowas tatsächlich kommt werde ich defintiv zu Debian oder Fedora gehn.
    Ich hasse das ganze „Store“ Zeug, es ist mir einfach ein Dorn im Auge.

    Freie Ubuntu-Mentalität sieht anders aus.


  10. Basti sagt:

    Ich habe leider nicht lesen können, unter welcher Lizenz diese neue Verwaltung veröffentlicht werden soll. Außerdem stellt sich mir die Frage, ob das Tool dann auch unter Kubuntu, Edubuntu etc. vorhanden ist. Ein Einfügen des „Hausmeister“-Tools(oder so) und anderer halte ich für falsch, das widerspricht den Prinzipien des Gnome-Desktops und auch des ein-programm-eine-funktion-Gedankens unter Linux.

    Solang alles sauber abgegrenzt ist, die Lizenz der Softwarepakete immer gut sichtbar ist, halte ich das Projekt für vollkommen in Ordnung.


  11. Pat sagt:

    Wie soll man dann Hersteller wie Adobe und etliche Spielefirmen dazu bringen, etwas auf Linux herauszubringen, wenn sich anscheinend viele gegen kommerzielle Software wehren? Kommerzielle Software ist doch nicht gleich per se schlecht.


  12. matthias sagt:

    @Pat: ich bin auch der Meinung das Programmierer für gute Arbeit auch bei Open Source Programmen bezahlt werden können, nur inwieweit das mit dem Store funktionieren wird ist eben die Frage.
    @Freund Hansen: Auch wenn durch den Store mehr gute Programme angeboten werden, von denen die meisten kostenlos sind und die Programmverwaltung einfacher wird?
    @Basti: Zur Lizenz habe ich bisher auch leider keine Angaben gefunden, in der Programminfo (hier) liegt zumindest das Copyright bei Canonical, mehr ist mir auch nicht bekannt. Wie gesagt befindet sich ja auch alles noch am Anfang. Das sinnvollste wäre natürlich Open Source, da man sonst immer mehr Closed Source in ein freies System wie Ubuntu von Haus aus integriert, wovon ich nicht viel halte, siehe Ubuntu One.
    @Pat: kommerzielle Software kann ja auch Open Source Software seien und wie schon gesagt für gute, freie Software bin ich auch bereit dem Programmierer einen fairen Preis zu zahlen, wenn es mir das Programm Wert ist.


  13. Ximion sagt:

    Der Quellcode des Store steht unter der GPLv3 und ist öffentlich verfügbar.


  14. Tim sagt:

    Wirklich guter Artikel! Die Idee alles unter einem Dach zu haben, finde ich super.
    Vielleicht wird dass einige Spielehersteller dazu bewegen, auch Spiele für Linux zu veröffentlichen!
    Was mich immer stört, ist dass wenn immer Canonical einen neuen Dienst herausbringt, der nicht Frei ist bzw. irgendetwas mit nichtfreier Sw zu tun hat alle aufschreien. Es nutzen bestimmt auch alle mp3 für ihre Musik!

    MfG Tim


  15. Rohlstull sagt:

    Das Thema war mir nicht nur völlig neu und hat allein dadurch großes Interesse und Neugier bei mir wecken können, nein, auch textlich einwandfrei fesselnd und rund geschrieben. Gut strukturiert, gut formuliert. Super Blogeintrag! Vielen, vielen Dank.


  16. matthias sagt:

    @Ximion: danke für die Info! Kannst du uns dafür noch eine Quelle nennen? Nicht das ich dir nicht glaube, ich hab es aber gerne vollständig 😉

    @Tim und Rohlstull: Danke für euer Lob, da macht das schreiben gleich doppelt so viel Spaß!


  17. Ximion sagt:

    Quelle?
    => https://edge.launchpad.net/software-store
    Vielleicht bauen sie ja meinen Listaller in, um Autopackage.org, LOKI/MoJo, CNR und IPK Unterstützung zu haben… Es gab da mal eine Überlegung, die ist aber im Sande verlaufen.


  18. Rene sagt:

    hm …
    ich denke solange sie es vernünftig angehen kann es durchaus eine gute Sache sein. Es gibt sicherlich einige kommerzielle Software für Linux die brauchbar ist. Warum dafür nicht einen zentrale Platz schaffen. Dies kann man auch mit der freien Software zusammen werfen.
    Sie dürfen damit allerdings nicht so ein gezeter machen wie es bei Apple der Fall ist.
    Die Programme sollten lediglich auf Lauffähigkeit geprüft werden und gut.

    Ich denke hier heißt es schlicht und ergreifend erst einmal abwarten!


  19. Andreas sagt:

    …das mit den kommerzielle Produkte finde ich sehr gut…vielleicht gibt es dann mal vernüftige Software.


  20. Matthias sagt:

    Screenshots stehen immer unter der Lizenz unter der auch das Programm steht, weil das Drücken der Screenshot-Taste keine kreative Eigenleistung ist. http://commons.wikimedia.org/wiki/Commons:Screenshots Also sind sie GNU GPL v3. Nur die Icons stehen vielleicht unter einer CC-Lizenz.


  21. meme sagt:

    Toller post, danke für die Mühe!

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