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Tatort Internet

Erstellt von Fabian am Donnerstag 7. Oktober 2010

Fefe hat heute Vormittag ja schon auf die Sendung „Tatort Internet-Schützt endlich unsere Kinder“ auf RTL2 hingewiesen (hier gibts die komplette Sendung),  ich habe mir die Sendung auch angesehen und war mir davor schon sicher darüber etwas zu schreiben.

Durch die Sendung führen Stepahnie zu Guttenberg (genau, die Frau von Theodor zu Guttenberg) als Vorsitzende des Vereins Innocence in Danger und Udo Nagel als pensionierter Polizist. Beschrieben wird die Sendung auf RTL2 folgendermaßen:

[…]“Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder“ thematisiert diese ernste Bedrohung, recherchiert, konfrontiert und deckt auf. RTL II möchte auf die Gefahren hinweisen, ein Bewusstsein zum Schutze unserer Kinder schaffen und auf eine gesetzliche Neubewertung dieser Taten hinwirken. Stephanie zu Guttenberg und Julia von Weiler von Innocence in Danger stehen mit ihrer Expertise zur Seite.[…]

Schon gleich zu Beginn der Sendung treten die Beteiligten als „Internetexperten“ auf, so erklärt Frau Guttenberg gleich am Anfang dass Internet im Kinderzimmer eine Standleitund für Perverse ist, da die Webcam am PC gehackt werden kann und somit kinderpornographisches Material produziert werden kann ohne selber handanlagen zu müssen. Außerdem bekommen wir von Julia von Weiler (Geschäftsführerein von Innocence in Danger)  das Phänomen „Einmal im Netz, immer im Netz“ erklärt. Was mich sowieso die ganze Zeit gestört hat, ist die Tatsache, dass der Hinweis auf einen kritischen Umgang mit dem Medium internet, vorallem im Bezug auf sachen wie Sicherheit und Privatsphäre, bzw. der Hinweis auf eine dahingehende erziehung der Kinder komplett fehlt. Ich glaube die Tatsache das Frau zu Guttenberg am Ende mehr oder weniger in einem Nebensatz eine dahingehende Bemerkung macht, macht es dann auch nicht gerade besser.

Was mich die ganze Zeit über an der Sendung gestört hat, war die Tatsache, dass mich die Machart der Sendung schwer an das Scripted Reality Fernsehn im RTL bzw. RTL2 Vormittagsprogramm erinnert. So finden die Ermittler auf einmal zufällig in der Nachbesprechung eines „Einsatzes“ ein Profil auf Facebook außerdem wirken die Räume sehr steril und die hohe Quote an Appleprodukten überrascht auch ein wenig.

Mein Hauptpoblem mit der Sendung war aber vielmehr folgendes: Wenn wir  bzw. ich mir einmal ganz genau Gedanken darüber machen was der geneigte Zuschauer eigentlich sieht, fällt folgendes auf, wir sehen einige Personen die vermeindlichen Pädophilen in Chatrooms eine Falle stellen, man bekommt aber nie Original Chatlogs zu Gesicht, noch bekommt man gesagt auf welcher Platform, mit welchem Messenger bzw in welchem Chatroom das Gespräch zu stande gekommen ist. Desweitern sehen wir von oben bis unten anonymisierte Personen. Außerdem sollte man sich doch mal die Frage stellen, macht sich wirklich jemand irgendwo Strafbar? Die Person mit der der Pädophile chattet ist Volljährig und auch die Person mit der das Treffen Stattfindet ist nach Angaben des Senders nach ebenfalls Volljährig, bevor eine strafbare Handlung begangen wird, wird das Gespräch zwischen dem „Lockvogel“ und dem „Opfer“ beendet. Um ehrlich zu sein halte ich das für verschwendete Energie, denn selbst Udo Nagel sagt am Ende des zweiten Falls, der an die Polizei weitergeleitet wurde, dass die Polizei nicht handeln könnte, da die weitergeleiteten Informationen laut angaben der Polizei nicht für einen Anfangsverdacht reichen würden. Außerdem hatte ja Fefe schon vor der Sendung auf das Problem des „Entrapment“ hingewiesen. [Link]

Hier fand ich den 3. Fall der vorgestellt wurde besonders kritisch, selbes Spiel…es wird ein fingierter Chat geführt und sich irgendwann mit dem „Täter“ in der Stadt verabredet. In diesem Fall war das Mädchen im Chat 13 und der Täter ist laut eigenen Angaben 19. Nicht das ich das hier gutheißen möchte aber Beziehungen (auch sexueller Art) zwischen 19 Jährigen und 13/14 Jährigen sind schon (traurige) Realität und werden als nicht bzw weniger  kriminell angesehen als wenn der Altersunterschied noch größer wäre. Hier könnte man sich ja mal Gedanken darüber machen ob wir nicht in einer übersexualisierten Gesellschaft leben in der sich  durchaus schon 13/14 „sexuell attraktiv“ Kleiden. Aber das nur am Rande.

Was bleibt mir also als Fazit?

Ich halte die Sendung in der Form für stark kontraproduktiv, da die Sendung durch die oben genannte Punkte sowieso wenig seriös und (teilweise) gestellt wirkt und es meiner Meinung nach weniger darum geht wirklich etwas gegen Pädophile im Internet zu tun als eher eine „spannende“ Sendung im Programm zu haben. Außerdem löst die Sendung meiner Meinung nach eher Pankik aus als dass sie Kinder und Jugendliche bzw. deren Eltern in Sachen Medienkompetenz mit dem Medium Internet schult.

ANMERKUNG:

ICH MÖCHTE MIT DIESEM ARTIKEL NICHT DAS PROBLEM „PÄDOPHILE IM INTERNET“ LEUGNEN, NOCH MÖCHTE ICH IRGENDWAS SCHÖN REDEN. DIESER ARTIKEL RICHTET SICH AUSSCHLIEẞLICH GEGEN DAS FORMAT DER SENDUNG.

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